Früher Frühling, tiefe Wunden.

Frühling im Hambacher Wald. Der Spaziergang am 8. März war gut besucht, viele wollten sehen, wie es dem Wald nach diesem Winter geht. Auf den ersten Blick wirkt vieles hoffnungsvoll: Aber die Vegetation ist in diesem Jahr rund vier Wochen weiter als normalerweise, frisches Grün drängt aus dem Boden, an vielen Stellen blüht es, in Pfützen und Tümpeln liegt bereits Krötenlaich. Gleichzeitig zeigt der Wald an einigen Stellen schon jetzt seine Trockenheit, der Boden ist rissig, das Unterholz lichter – die Wunden der letzten Jahre sind deutlich sichtbar.

Die Route des Waldspaziergangs führte vom Wanderparkplatz über die Trasse der alten Autobahn bis hin zur BUND Wiese, dem Sperrgrundstück am Rand des Tagebaus. Es ist ein Weg voller Brüche: Man läuft über ehemalige Infrastruktur, die für den Tagebau verschwinden musste, vorbei an frühlingshaftem Grün, hinein in eine Kulisse, in der Braunkohlebagger, Förderbänder und Absperrungen die Zukunft der Landschaft markieren.

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Der Bagger. Er steht nie still.

Er dreht sich langsam, gleichmäßig, beinahe ruhig – und frisst sich dabei Meter um Meter durch die Landschaft. Der Braunkohlebagger. Ein technisches Ungetüm, das Wälder, Äcker und ganze Orte verschluckt, als wären sie nur kurz im Weg gewesen.

Wo gestern noch Wälder standen, ist heute nichts als aufgerissene Erde. Wo Menschen gewohnt, gelebt, gelacht haben, bleiben Markierungen auf Karten und Erinnerungen, die niemand zurückbauen kann. Dörfer verschwinden nicht laut. Sie werden abgegraben. Schicht für Schicht.

All das für vermeintlich billigen Strom.

Wir brauchen 1UP – One United Power – um dies zu stoppen.

Der Sündi ist geräumt worden

Das Sündenwäldchen, der Sündi, dieses kleine Waldstück direkt am Tagebau Hambach, ist geräumt. Die Baumhäuser, Plattformen, Seilstrukturen – verschwunden. Die Besetzung, die dort seit weit mehr als einem Jahr gelebt, gewacht, ausgehalten hat, wurde beendet. Und der Wald selbst: alle Bäume gefällt.

Was bleibt, ist ein Ort, der nicht mehr atmet.

Der Sündi war klein. Aber er war ein Trittstein. Ein Schutzraum. Ein Zeichen dafür, dass es noch Orte gibt, an denen Menschen sagen: Bis hierhin und nicht weiter.

Jetzt ist er weg. Was bleibt, ist die Leerstelle.

Etwas Essen vorbeibringen….

Der Hambacher Wald ist in Sichtweite. Man sieht ihn nicht immer sofort, aber man spürt ihn. Und man spürt auch, dass hier gerade wieder etwas kippt. Es wird wohl bald geräumt werden.

Bin mal wieder losgefahren mit Essensspenden für ein Picknick im Wald. Schön wär’s – es ist eher EvictionFood. Nichts Spektakuläres: Nudeln, Nüsse, Obst, Schokolade, IBU. Dinge, die man braucht, wenn Tage lang werden, Nächte kalt sind und Körper wie Nerven beansprucht werden.

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Sonntag am Sündewäldchen – Zeigt, dass dieser Wald nicht allein ist.

Der Sündewäldchen bei Manheim steht wieder im Zentrum eines Konflikts, den wir längst überwunden glaubten. Während sich der Tagebau langsam an das letzte Stück Wald heranschiebt, wächst auch der Druck auf die Besetzer*innen und die beiden Mahnwachen, die seit Jahren versuchen, zu schützen, was von einer ganzen Landschaft noch übrig ist. Seit zwei Wochen gibt es eine neu gebaute Rampe direkt aus dem Tagebau, die unverkennbar in Richtung des verbleibenden Waldstücks zeigt. Im Umfeld des Waldes wurden in den letzten Tagen Hubsteiger, Gitter, Baustrahler, Radlader – ein Arsenal, das nur eine Botschaft hat: Die Räumung wird erwartet. Und bald. Umso wichtiger ist es jetzt, sichtbar zu sein.
Umso wichtiger ist es, nicht still zu bleiben.

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Herbstspaziergang am Tagebaurand

Ich war heute im besetzten Sündewäldchen bei Manheim, am Rand des Tagebaus bei Buir. Ein Ort zwischen Hoffnung und Widerstand – zwischen dem, was bleibt, und dem, was noch verteidigt werden muss.

Seit Beginn der neuen Rodungssaison rechnen die Aktivist*innen jederzeit mit der Räumung. Ein Großteil des Waldes wurde im Frühjahr bereits von RWE gerodet. Nur die Bereiche, die von Menschen geschützt werden – durch Baumhäuser, Seiltraversen und Mut – stehen noch.
Doch dieser Wald ist mehr als ein Restwald. Er ist lebendig. Er ist vernetzt. Und er ist wichtig. Das Sündewäldchen bildet den Trittstein zwischen dem Hambacher Forst und der Steinheide – ein zentraler Bestandteil der Biotopvernetzung, die in Zeiten des Artensterbens und der Klimakrise wichtiger ist denn je.

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Der Blick geht nicht wirklich in die Landschaft.

Den #hambibleibt im Rücken und den #suendibleibt fest im Blick. Was RWE hier anrichtet, ist schwer in Worte zu fassen. Die ökologischen Schäden sind gewaltig – und sie werden sich nie wirklich ausgleichen oder kompensieren lassen.

Und doch gibt es sie: die Menschen, die immer noch vor Ort sind. Die sich im letzten Rest des Waldes den Plänen entgegenstellen. Still, entschlossen, unbeirrt.

Manchmal braucht es nicht viele Worte – nur die Erinnerung daran, dass Widerstand auch Ausdauer bedeutet. Und es gilt immer noch das alte Motto: Gemeinsam sind wir unausstehlich 😉

Vergiss Meyn nicht – Film, Erinnerung. Hambi lebt.

Am Anfang ist da nur Stille. Die Kamera fängt den Blick vom Waldboden ein, schwenkt langsam über die hohen Baumkronen, die in den blauen Septemberhimmel ragen. Ein friedliches Bild. Doch die Ruhe trügt. Stimmen, Schreie, Weinen – Geräusche drängen sich ins Bild, bis ein Polizist nach der Linse greift. Es sind die letzten Bilder der 360°-Helmkamera von Steffen Meyn – und die ersten, die der Film „Vergiss Meyn nicht“ zeigt.

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