#Lesepause „Die Stadt besser verlassen, als wir sie vorgefunden haben“

Hab am Wochenende einen Artikel in der taz gelesen, der hängen geblieben ist. Es geht um Kopenhagen, um Tourismus – und um eine Idee, die erstaunlich schlicht und gleichzeitig ziemlich clever ist. Laut dem Global Destination Sustainability Index (GDSI) 2024 gehört Kopenhagen zu den drei nachhaltigsten Touristenzielen der Welt und belegt dort Platz 3, direkt hinter nachhaltigen Vorreitern wie Helsinki und Göteborg (kann ich noch mal sehen wo wir in dieser Liste sehen… ach nee besser nicht). Kopenhagen hat lange Fahrradhighways, „Wolkenbruchviertel“, in denen bei Starkregen das Wasser versickert, und seit 2024 mit CopenPay ein Belohnungssystem für Reisende, das genau jene nachhaltigen Verhaltensweisen honoriert, die die Stadt selbst schon länger lebt. Der Gedanke dahinter: Reisen soll nicht nur weniger Schaden anrichten, sondern im besten Fall sogar etwas zurückgeben. Wer sich nachhaltig verhält, wird belohnt. Wer mit dem Rad unterwegs ist, Müll sammelt, lokale Projekte unterstützt oder bewusst Ressourcen schont, bekommt Anerkennung – ganz konkret. Grob nach dem Grundsatz von Robert Baden-Powell „Wir wollen die Welt ein wenig besser verlassen, als wir sie vorgefunden haben.“

„#Lesepause „Die Stadt besser verlassen, als wir sie vorgefunden haben““ weiterlesen

Futter für Insekten. Auf den Dreh kommt es an.

Manchmal stolpert man über gute Ideen, ohne danach gesucht zu haben. In Liedberg gibt es einen gelben Kaugummi-Automaten der statt Kaugummi oder Plastiknippes einem Blütenvielfalt anbietet. Ein Bienenfutterautomat.
Die Idee ist so einfach wie gut: Für ein paar Cent zieht man eine Kapsel, sät später die enthaltenen Samen oder Krokusknollen aus – und plötzlich passiert etwas. Auf Balkonen, in Baumscheiben, im Vorgarten usw 😉 Mit jedem Kauf fließt zudem ein kleiner Beitrag in die Nachhaltigkeitsbildung des gemeinnützigen Bienenretter-Projekts. Lernen, säen, wachsen lassen.

„Futter für Insekten. Auf den Dreh kommt es an.“ weiterlesen

#133 ohrwurm

Die neue Single, neues Gefühl im Bauch. „Allein“ von MASSENDEFEKT ist da – und eröffnet ganz nebenbei das 25. Bandjahr. Vierteljahrhundert Punkrock mit Herz, Haltung und ordentlich Patina – und trotzdem klingt der Song frisch, ehrlich und verdammt nah dran. „Allein“ ist kein Jammerstück, sondern ein kurzer Stopp in dieser Dauerrotation namens Alltag. Ich hab das Ding diese Woche auf Deezer im Loop gehabt – und es trifft. Alleinsein ist kein Rückzug – manchmal ist es das, was dich wieder auflädt.

Ich habe die Stadt gerade allein für mich.
(..) Von allem immer viel zu viel.
Nur noch Druck und kein Ventil.
Keine Menschen, keine Autos, keiner schreib mich an. Kein Stress, keine Meetings und keinen Plan.

„#133 ohrwurm“ weiterlesen

„Toleranz ist der Verdacht, dass der andere Recht hat.“

Danke an die Brauerei Uerige für diese Bierdeckel. Nicht, weil sie belehren. Sondern weil sie erinnern. Daran, dass Toleranz kein bequemes Weglächeln ist. Kein „Lass mal laufen“. Danke dafür. Denn dieser Satz ist kein Wohlfühlzitat. Er ist eine Zumutung. Eine Aufforderung zum Denken.

Toleranz heißt nicht, alles durchzuwinken. Sie ist kein Schulterzucken und kein „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“. Toleranz beginnt dort, wo ich mir ernsthaft zutraue, mich irren zu können. Wo ich bereit bin zuzuhören, auch wenn es unbequem wird. Aber genau hier liegt auch ihre Grenze.

„„Toleranz ist der Verdacht, dass der andere Recht hat.““ weiterlesen

Bereicherung im Sternwartpark – Café NOCA hat bald richtig geöffnet

„Das ist doch offen, oder? Da brennt doch wieder Licht und es gibt Stühle und Schirme!“ Manchmal fühlt sich eine Neueröffnung nicht neu an, sondern wie eine lang ersehnte Rückkehr. So ist es jetzt im Sternwartpark (Alter Bilker Friedhof), wo vorgestern direkt am Wasserspielplatz das Café NOCA eröffnet hat – am Ort der alten Florabar, die über viele Jahre hinweg bereichert hat.

Mehr als ein Jahrzehnt lang war die Florabar an unterschiedlichen Orten präsent: im Florapark, im Volksgarten, hier im Sternwartpark. Sie war nie nur ein Kiosk, sondern ein Treffpunkt. Ein Ort für Kaffee nach dem Spielplatz, für Gespräche auf der Parkbank, für spontane Pausen zwischen Alltag und Grün. Viele verbinden mit ihr Sommerabende, Kinderwagen, Fahrräder, erste Limonaden und Cappucino mit Waffeln.

Jetzt ist dieser Ort im Sternwartpark zurück – neu gedacht, neu gebaut, mit überarbeitetem Gebäude, neuer Toilettenanlage und frischem Konzept. Und doch fühlt es sich vertraut an. Am (inoffiziellen) Eröffnungstag gab es Waffeln, genau richtig, um sich die Hände zu wärmen, während die Hänge im Park voller rodelnder Kinder waren. Dazu Kaffee und heiße Getränke, bald auch Sandwiches, Kuchen und Kinderstullen. Für die Großen ein Füchschen Alt zum Entspannen, für die Sportler*innen Fruchtgetränke und Proteinshakes zum Durchatmen nach der Runde durch den Park. (Kleiner Wehrmutstropfen – es gibt keinen Pizzaofen mehr…)

Offizielle Eröffnung mit Kaffee und Spaß ist am 17.01.2026 ab 11:00 Uhr 🙂

„Bereicherung im Sternwartpark – Café NOCA hat bald richtig geöffnet“ weiterlesen

Feiern mit Kollateralschäden. Wie wäre es mit passenden Warnhinweisen wie bei Zigaretten?

Feuerwerk wird verkauft wie ein harmloses Spielzeug. Die Schäden tauchen danach auf – in Notaufnahmen, bei Tierärzt:innen, auf Straßen, in Gärten, in Tierheimen. Aus dem Blickfeld. Aus dem Gespräch.

Wie wäre es, wenn wir Silvester endlich so behandeln würden wie das, was es ist: ein Hochrisikotag? Nicht mit Verbotsschildern, nicht mit moralischem Zeigefinger – sondern mit Ehrlichkeit.

Zigarettenpackungen dürfen seit Jahren zeigen, was sie anrichten. Schwarze Lungen, kaputte Herzen, Warnhinweise, die man nicht mehr wegignorieren kann. Nicht, weil der Staat Spaß am Schock hat. Sondern weil Verharmlosung tödlich ist.

„Feiern mit Kollateralschäden. Wie wäre es mit passenden Warnhinweisen wie bei Zigaretten?“ weiterlesen

Einmal im Jahr ist der Tierschutz egal

Es ist diese eine Nacht. Wenn der Himmel brennt, der Asphalt knallt und wir uns gegenseitig „Frohes Neues“ zurufen, während es riecht wie ein Chemiebaukasten aus den 80ern. Silvester.

Und jedes Jahr wird behauptet, das sei Freiheit, Tradition, Kultur. Dabei ist es vor allem eines: eine Nacht, in der wir kollektiv wegsehen. Nicht bei uns.
Nicht bei dem, was das mit Tieren macht.

Vögel zum Beispiel. Sie sitzen nicht gemütlich in der Hecke und denken sich: Ach, einmal im Jahr wird’s halt laut. Sie fliehen. Panisch. In der dunkelsten, kältesten Zeit des Jahres. Eine wissenschaftliche Studie aus den Niederlanden hat mit Wetterradar gemessen, was in der Silvesternacht passiert: Die nächtliche Flugaktivität von Vögeln steigt um ein Vielfaches, teilweise um das Hundertfache. Tiere fliegen plötzlich in Höhen von über 500 Metern, verlassen Schlaf- und Ruheplätze und verlieren Orientierung (Universität Amsterdam (UvA).

„Einmal im Jahr ist der Tierschutz egal“ weiterlesen

Digital Independence Day – gemeinsam raus aus der Abhängigkeit

Es beginnt oft ganz unspektakulär. Ein Klick weniger. Ein Konto schließen. Eine App löschen. Und plötzlich merkt man, wie sehr man sich an Dinge gewöhnt hat, die man nie wirklich gewählt hat.

Der Digital Independence Day lädt genau dazu ein: innehalten und die eigene digitale Abhängigkeit hinterfragen. Jeden ersten Sonntag im Monat geht es beim DI.Day #DigitalIndependenceDay darum, einen Schritt weg von den großen Plattformen zu machen, die unseren digitalen Alltag dominieren – Facebook, Amazon, X, Google.Konzerne, deren Marktmacht eng verknüpft ist mit Namen wie Musk, Bezos oder Zuckerberg. Superreiche, die längst nicht mehr nur Produkte anbieten, sondern Infrastrukturen kontrollieren.

Unterstützt wird die Initiative vom Chaos Computer Club. Beim 39. Chaos Communication Congress rief der Autor Marc-Uwe Kling dazu auf, den sogenannten Netzwerkeffekt gezielt zu brechen. Also genau das, was uns auf Plattformen hält, obwohl wir sie längst kritisch sehen: „Alle sind da.“ Aber was, wenn man anfängt, nicht mehr alle dort zu treffen?

„Digital Independence Day – gemeinsam raus aus der Abhängigkeit“ weiterlesen