Neulich, irgendwo zwischen Wäsche aufhängen und Feierabendbier, höre ich diesen Podcast. „Unbequem – mit Shari Jung“. Die Folge: Sündenwald besetzt: Kai & Tortuga im Protest gegen RWE.
Und plötzlich bin ich nicht mehr in meiner Küche, sondern gedanklich mitten in einem kleinen, unscheinbaren Waldstück – gleich neben dem bekannteren Hambacher Forst. Sündi aka Sündenwäldchen. Ein Ort, der klingt wie aus einem Märchenbuch, aber die Realität dort ist härter als jede Fabel.
Seit September 2024 halten Kai und Tortuga mit einer Handvoll Aktivistis den Wald besetzt. Baumhäuser statt Wohnungen. Kochstelle statt Kantine. Hoffnung statt Routine. Ihr Ziel? Ganz einfach, und doch so groß: Zeit gewinnen. Aufmerksamkeit schaffen. Jeden Baum verteidigen.
Heute war wieder Sonntagsspaziergang im Sündi, ein relevantes Waldstück unmittelbar am Hambacher Forstes. Wir haben mal wieder Äpfel, Orangen, Mandarinen, warme Socken und dringend benötigte Handschuhe vorbeigebracht. Seit Mittwoch rückt RWE mit schwerem Gerät an und fällt systematisch den Wald. Ohne Rücksicht auf Winterquartiere geschützter Tiere, ohne Transparenz, ohne Presse. Selbst Bäume, die als Lebensraum für Fledermäuse markiert wurden, werden einfach gefällt und geschreddert.
Warum das alles? Nicht für Kohle – sondern für Kies und Sand. RWE will die sogenannte Manheimer Bucht abbaggern, um mit dem Material die Hänge des Tagebaus zu stabilisieren und irgendwann einen riesigen Fantasie-See zu schaffen.
Es ist wieder so weit: Der Hambacher Forst, ein Symbol für den Kampf um Klimaschutz und nachhaltige Zukunft, ist erneut in Gefahr. Die RWE Power AG plant, Fakten zu schaffen und das Manheimer „Sünden“- oder „Sportplatz“-Wäldchen zu zerstören – eine Schlüsselstelle im Biotopverbund der Region.
Warum dieser Wald so wichtig ist
Das Sündenwäldchen ist nicht nur ein Stück Natur, sondern ein unverzichtbarer ökologischer Trittstein für die Region. Hier leben streng geschützte Fledermäuse, und der Stieleichen-Hainbuchenwald ist von hohem naturschutzfachlichem Wert. Seine Zerstörung würde einen massiven Rückschlag für die Wiedervernetzung des Hambacher Waldes bedeuten und die langfristige Rettung dieser einzigartigen Waldlandschaft nahezu unmöglich machen.
Doch RWE will den Wald roden – nicht, weil es um dringend benötigten Raum oder Rohstoffe geht, sondern um Material für die Böschungsstabilisierung und die (unsinnig überhöhte) Innenkippe des Tagebaus zu gewinnen. Ein Kahlschlag ohne Rücksicht auf die ökologischen und klimatischen Folgen.
Gestern waren wir unterwegs, im Herzen eines umkämpften Waldes, der doch so viel mehr ist als nur „Abraum“: das Sündi (auch als Erbwald bekannt), einem Teil des Hambacher Forstes. Dieser kleine, aber unglaublich wertvolle Flecken Erde ist derzeit besetzt – von zahlreichen mutigen jungen Menschen, die ihr Leben riskieren, um ihn zu schützen. Mit dabei hatten wir wiedermal Taschen und Kisten mit Marmeladen, Süßigkeiten, Keksen, Konserven und dringend benötigtem Material wie Klebeband und Löffel von der Wunschliste der Besetzer:innen.
Dieser Wald ist ein ökologischer Trittstein von unschätzbarem Wert
Doch was macht diesen Wald so wichtig? Das Sündi ist nicht nur irgendein Wäldchen, sondern ein essenzieller Bestandteil des Biotopverbunds in dieser Region. Es ist ein Zuhause für streng geschützte Arten wie Fledermäuse und Haselmäuse. Zahlreiche alte Bäume dienen als Nistbäume und bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren. Als Teil des einst riesigen Bürgewaldes erzählt das Sündi nicht nur eine ökologische, sondern auch eine kulturelle Geschichte. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen für diese Entscheidungen und Planungen einmal auf den alten Waldlehrpfad begeben und informieren.
Der ehemalige Bürgewald, von dem der Hambacher Forst heute nur noch einen kleinen Rest darstellt, war einst ein ausgedehntes Waldgebiet von über 5.500 Hektar. Es war eines der ältesten und größten zusammenhängenden Waldgebiete in Deutschland. Heute sind davon weniger als 10 % erhalten. Der überwiegende Teil wurde für den Braunkohleabbau durch RWE unwiderruflich zerstört. Was bleibt, sind verstreute Fragmente wie eben das Sündewäldchen, die dennoch von unschätzbarem Wert sind – als Lebensraum, Klimapuffer und historisches Erbe.
Der Hambacher Wald, der vielen von uns als Hambi bekannt ist, steht erneut im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dieses Mal geht es um den benachbarten Manheimer Erbwald, ein 6 Hektar großes Stück Natur, das früher Teil des Hambacher Waldes war und jetzt akut von der Rodung bedroht ist.
Wir unterstützen die Waldschützer*innen denn eines ist klar: Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir mehr als nur ein Stück Wald – wir verlieren ein Symbol für Widerstand und Hoffnung.
Warum der Manheimer Erbwald wichtig ist. Der Erbwald ist nicht einfach irgendein Waldstück. Er ist ein Lebensraum für streng geschützte Fledermäuse und besteht aus einem ökologisch wertvollen Stieleichen-Hainbuchenwald. (Es wurden von RWE zahlreiche Bäume markiert – alles Vorbereitungen für die Umsiedlung von Fledermäusen und Haselmäusen). Diese Gebiete sind entscheidend für den Biotopverbund (aka Trittsteine), der den Erhalt des Hambacher Waldes sichert. Doch RWE plant, genau dieses Gebiet für die Böschungsstabilisierung und die Erweiterung der „Manheimer Bucht“ abzubaggern. Die Folgen? Eine Zerstörung der Waldvernetzung und eine Ausweitung des Tagebaus, die den gesamten ökologischen Zusammenhang gefährdet.
Am letzten Sonntag haben wir wieder mal Zeit bei den wahren WaldschützerInnen des Hambacher Waldes verbracht. Mit ihren Baumhäusern und ihrer konsequenten Anwesenheit sichern diese Menschen den letzten verbleibenden Rest dieses wertvollen Waldgebietes vor der Zerstörung durch den Braunkohleabbau.
Vor genau 10 Jahren begann der breitere, bürgerliche Protest mit dem ersten Waldspaziergang von Michael Zobel und Eva Töller. Mit ihren regelmäßigen Wanderungen durch diesen Wald trugen sie dazu bei, den Protest zu erweitern und für die Öffentlichkeit zugänglicher zu machen und mehr Menschen für den Erhalt der einzigartigen Natur zu mobilisieren. Endlich begann man über die Bedeutung dieses wertvollen Ökosystems zu sprechen, was neue UnterstützerInnen gewann. Der Kampf für den Erhalt der Wälder und auch der Dörfer im rheinischen Braunkohlerevier ist schon immer vielfältig und komplex.
Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche. Lasst uns alle am Samstag nach Lützerath fahren und ein Zeichen für Klimaschutz und gegen diese Politik zu setzen. Der Protest gegen die Räumung ist bunt und vielfältig – Infos über die Demo findet ihr auf www.alle-doerfer-bleiben.de/demo/.
Es geht nicht direkt um die restlichen Gebäude in dem ehemaligen Ort – es geht um die 280 Millionen Tonnen Braunkohle die verfeuert werden sollen. Natürlich auch um den empfundenen Wortbruch und diese Realpolitik die hier abgespult wird. Es ist ein konsequenter Klimaschutz notwendig um die Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren und zukünftige Generationen vor den schwerwiegenden Folgen von Erderwärmung und extreme Wetterereignisse zu schützen. Der Klimawandel hat bereits Auswirkungen auf das Weltwetter, die Landwirtschaft, die Gesundheit und die Wirtschaft. Wenn wir nicht handeln, werden sich diese Auswirkungen verschlimmern und es wird immer schwieriger und teurer, sie zu bekämpfen.
Klimaschutz ist Handarbeit. Wir sehen uns am Samstag, 14. Januar um 12 Uhr an der L12 im Angesicht des Kohlebaggers und Lützerath.
Erschütternd das man dies noch erklären muss und das die EntscheiderInnen sich weggucken. Dann muss die Zivilgesellschaft eben Handel und gemeinsam an einer Zukunft ohne Braunkohle arbeiten. Es muss jetzt Schluss sein mit den Rodungen und Enteignungen. Als Gesellschaft braucht es jetzt ein Signal der Politik – zum Beispiel ein Moratorium für den Zeitraum der Regierungsbildung. Alle Dörfer müssen bleiben und RWE muss aufhören hier Fakten zu schaffen. Wir sehen uns in der #zadrheinland – denn hier vor dem Ort #lützerath verläuft die 1,5 Grad Linie – wenn die Politik es mit dem Klimaschutz ernst meint, dann bleiben diese Orte stehen und die Bagger beginnen mit dem Rückbau der Grube. Solange dies nicht geregelt ist gilt es diesen Ort zu halten und zu verteidigen.
Heute vor drei Jahren war ich das erste mal im Hambacher Forst. Es war damals eine spontane Entscheidung und die Zeit drängte damals. Es gab dir ersten konkreten Informationen für einen anstehenden Räumungstermin… wenige Tage später begann der größte Polizeieinsatz in der NRW Geschichte.
Ich konnte an diesem Tag damals mich mit Landespolitikerinnen der @gruenenrw sowie der @gruene_duesseldorf und dem MdB @oliver_krischer direkt im #Hambi treffen und mit ihnen über die Situation sprechen. Es war eine unwirkliche Situation – die Spannung und das geschäftige Treiben und dazu die Ruhe des Waldes und die mächtigen Bäume mit den Baumhäusern in den Kronen. Nur wenige hundert Meter weiter kann man an der Abbruchkante zum Tagebau seinen Blick über Mordor schweifen lassen…
Ich habe viel Respekt vor der Konsequenz der Menschen die sich über Monate hin auf eine solche Räumung vorbereiten in dem sie ihr ‚entgegenleben‘. Ich war nach dem Besuch noch mehrfach vor Ort (auch mit ganzen Familie) um gegen diese Energiepolitik von NRW zu demonstrieren.