Rad fahren in Düsseldorf – und warum die Niederlande trotzdem eine eigene Liga bleiben

Wer in Düsseldorf mit dem Rad unterwegs ist, merkt: Da hat sich was getan. Fahrradachsen, neue Wegweisung, Oberziele auf den Schildern – die Stadt ist deutlich lesbarer geworden. Laut Stadt sind heute rund 350 Kilometer mit einheitlicher Radwegweisung beschildert, die alle Stadtteile über durchgehende Routen verbindet. Dazu kommt ein Knotenpunkt-System nach niederländischem Vorbild, mit dem sich Routen „nach Zahlen“ planen lassen… brauch ich persönlich nicht, habe da eine Mentalmap nach der ich navigiere. Diese Hinweisschilder fühlen sich in meinem Alltag ehrlich gesagt wie eine Verbesserung um 250 Prozent an 🙂

Der Unterschied fällt besonders auf, wenn man an die Stadtgrenze kommt. Innerhalb Düsseldorfs gibt es inzwischen ein Netz, das sich zumindest erahnen und nutzen lässt – inkl. Knotenpunkten, Themenrouten und klaren Zielangaben. Dann rollt man ein paar Meter weiter in die Nachbarkommune – und steht plötzlich im Nichts. Keine Achsen, keine Anschlusswegweiser – die berühmte „Lücke“ zwischen zwei Netzen. In den Niederlanden sieht das völlig anders aus. Dort kann man sich von der Grenze aus einmal durchs ganze Land hangeln – nur über die Knotenpunkte und Wegweiser („Pilze“) mit Nummern, Richtungen und Entfernungen zur nächsten Stadt oder zum nächsten Knotenpunkt. Das System ist so durchgängig, dass man von Provinz zu Provinz mehr oder weniger ohne Kartenchaos durchkommt. Man merkt: Das ist keine Sammlung von Einzelprojekten, sondern ein richtig zu Ende gedachtes Netz.

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#139 ohrwurm. „Keine Angst“ Ein Aufruf zum Handeln.

Mit „Keine Angst“ grätschen Danger Dan und Igor Levit gut in die aktuelle Debatte. Danger Dan macht da weiter, wo „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ aufgehört hat – nur diesmal mit Igor Levit am Klavier im Rücken.
Es läuft am Ende auf etwas sehr Konkretes hinaus: Wir brauchen Haltung, Routine, und praktische Regeln um dem Erstarken von Rechtsradikalen, Rechtsextremen und Nazis etwas effektiv entgegenzusetzen.

Spannend (und ehrlich gesagt bezeichnend): Dem ZDF wurde das dann zu politisch. Der Song war für „Die Anstalt“ zunächst eingeplant, wurde aber wieder aus dem Programm geworfen. Kunstfreiheit und Öffentlich-Rechtliche – da knirscht es offensichtlich weiterhin.

Anyway. Es bleibt dabei: Anna und Arthur sprechen nur miteinander und nicht mit anderen 🙂 Passt auf Euch auf.

Ruf erst mal ein, zwei Leute an, denen du vertraust
Auf die man sich verlassen kann und macht ein Treffen aus
Ihr gründet eine Gruppe, die keinen Namen hat
Kein Gründungsdatum und auch kein Verein oder so’n Quatsch
Redet mit Bars und Kneipen, fragt, ob die für ’nen Abend
Räumlichkeiten für ’ne Party gegen Nazis haben
Ladet eure Freunde ein, ein kleines Festival
DIY, Eintritt frei, sammelt auf Spendenbasis Geld
Mit dem Geld, das ihr verdient, kauft ihr Dosen, um zu sprüh’n
Kauft ihr Aufkleber und Marker, sorgt dafür, dass jeder sieht
Ihr habt kein’n Bock auf Faschos und das hier ist eure Stadt
Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras

Worte können verletzen…

Seit etlichen Tagen kann man am neuen Radweg eine neue Arbeit von @benmathis_artist finden – diesmal eine Sprechblase mit Einschusslöcher. Meine Interpretation: Worte können verletzen wie Kugeln. Sprache selbst kann zur Waffe werden kann – und dass Worte Menschen treffen können, wie eben ein Projektil, ist auch keine neue Erkenntnis.

Hitzewellen, Kipppunkte und unsere Zukunft gehören zusammen

Schatten suchen nach der OGS. Kühle Orte sind Magelware und baulich sind wir auf die Hitze – wie bei vielen anderen Themenfelden auch – nicht vorbereitet und schauen nur ganz überrascht.
Die Sommer werden krasser. Nee, Hildegard es gab damls im Sommer nicht auch so eine Hitze… Es gibt wissenschaftliche Zahlen und keine gefühlten Erinnerungen. Sorry, es wird faktisch heisser. Nicht irgendwie ein bisschen, nicht nur gefühlt, sondern messbar. Hitzewellen in Deutschland und in Europa (eigentlich global) sind längst kein Ausreißer mehr, sondern ein Zeichen dafür, wie sehr sich das Klima verändert hat. In der Stadt trifft das besonders hart: Asphalt, Beton, wenig Schatten und versiegelte Flächen sorgen dafür, dass es tagsüber heiß wird und nachts oft kaum noch abkühlt.

Wer an einem Junitag oder Julitag durch Düsseldorf läuft, kennt das Problem. Die Hitze hängt zwischen den Häusern, Innenhöfe werden zu Wärmespeichern, und selbst späte Stunden bringen keine echte Erleichterung mehr. Genau deshalb fühlen sich Sommer in Städten oft deutlich extremer an als auf dem Land. Es ist nicht nur Wetter, es ist Stadtklima – und das wird unter den Bedingungen der Erderhitzung immer schärfer.

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Wenn die U-Bahn Pakete ausfährt.

Gerade in der taz gelesen 🙂 Madrid macht gerade etwas, das man sich auch hier in Düsseldorf gut vorstellen könnte: Die U-Bahn transportiert dort täglich Päckchen, damit weniger Lieferverkehr durch die Stadt rollt.
Seit Mitte April stehen in der Metro 57 intelligente Schließfächer, an 19 Stationen der Linie 3, und rund 1.000 Pakete kommen dort frühmorgens vor der Rushhour an.

Die Idee ist ziemlich naheliegend. Warum sollten Lieferwagen jede einzelne Straße nochmal einzeln abklappern, wenn viele Sendungen auch gebündelt an einem Ort ankommen können? Genau das ist der Punkt bei der sogenannten letzten Meile, die als besonders belastend für die Umwelt gilt, weil Zustellungen oft nicht beim ersten Mal klappen und dann nochmal gefahren werden muss. Madrid spart sich laut Verkehrsminister Jorge Rodrigo dadurch täglich rund 50.000 Kilometer an herkömmlichen Zustellfahrten.

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PRÜF NRW, PRÜF!

Es gibt Tage, an denen man sich entscheiden muss, ob man nur zuschaut – oder Haltung zeigt. Heute ist so ein Tag. Um 14 Uhr startet am Graf-Adolf-Platz die PRÜF-Demo. Die Forderung ist klar und längst überfällig: Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft werden oder unter entsprechendem Verdacht stehen, müssen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden.

Der Aufruf dahinter ist bewusst einfach gehalten: Wenn in Deutschland alles geprüft wird – vom Toaster bis zur Wasserqualität – dann sollte das auch für Parteien gelten, die im Verdacht stehen, die demokratische Grundordnung infrage zu stellen. Oder kurz gesagt: „Ordnung muss sein.“

Rechtsextreme Positionen, Rassismus und Rechtspopulismus sind keine Meinung wie jede andere. Sie greifen das Fundament an, auf dem unsere Gesellschaft steht. Und wer unsere Demokratie abschaffen will, darf sich nicht ungestört hinter ihr verstecken. NRW ist vielfältig, solidarisch und offen – zumindest im Anspruch. Aber genau dieser Anspruch muss auch politisch eingelöst werden. Wegschauen oder Abwarten reicht nicht.

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Mit der Critical Mass durch die Stadt rollen

Wenn sich am morgigen Freitagabend um 19:00 Uhr wieder hunderte Radfahrerinnen und Radfahrer am Fürstenplatz versammeln, dann ist es Zeit für die nächste Critical Mass.
Das Prinzip ist so einfach wie wirkungsvoll: Viele Menschen steigen gleichzeitig aufs Rad, fahren gemeinsam los und werden so sichtbar. Für mehr Platz auf der Straße, für mehr Rücksicht, für eine andere Perspektive auf Mobilität in der Stadt. Kein klassischer Protest, keine angemeldete Demo im üblichen Sinne – eher ein kollektives Rollen durch Düsseldorf, das zeigt, wie viele es eigentlich sind. Wer schon mal dabei war, kennt die besondere Mischung: entspannte Stimmung, kurze Gespräche an der roten Ampel, klingelnde Fahrräder, neugierige Blicke vom Straßenrand.
Und mittendrin immer wieder die Frage, wie sich Stadt anfühlen könnte, wenn das hier nicht die Ausnahme wäre.

Los geht’s am Freitag, 10. Juli, um 19 Uhr am Industriebrunnen auf dem Fürstenplatz. Einfach dazukommen, aufsteigen und mitfahren.

Mauersegler in Not: Wenn die Hitze die Nester zur Falle macht

Gestern Morgen, kurz vorm Kinderladen-Alltag, stand da plötzlich ein Karton unter einem Busch. Drin: ein kleiner Mauersegler. Offensichtlich aus dem Nest gefallen. Daneben ein paar Körner – gut gemeint, aber für einen Insektenfresser ziemlich nutzlos. Also einmal kurze Lagebesprechung unter Eltern. Was tun? Für mich war schnell klar: „Die Natur wird das schon regeln“ ist für mich keine Option. Mauersegler sind keine Vögel, die am Boden eine zweite Chance bekommen. Wenn sie dort landen, haben sie ein Problem – und zwar ein ziemlich akutes.

Der Kleine war noch nicht flugfähig, das Gefieder nicht fertig entwickelt. Und: Die Eltern füttern am Boden nicht weiter. Heißt im Klartext: Ohne Hilfe endet das hier nicht gut. Also erste Hilfe. Vorsichtig etwas Wasser angeboten – und siehe da: Er trinkt selbst. Hab eine kleine Höhle aus meinen Händen geformt damit er wärmer wird und sich geschützter fühlt. Erfolgreich, der kleine Mauersegler wird etwas wacher und es kommt mehr Leben in das kleine Federknäuel. Parallel dazu: Telefonate. NABU, Wildtierhilfe, Menschen, die vielleicht jemanden kennen, der sich auskennt. Eine Mutter hat sich beraten lassen und Heimchen organisiert – wollte er allerdings nicht.

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Pini ist nun gegangen

Manche Menschen gehören einfach dazu. Ohne großes Aufheben, aber immer da. Pini war so jemand. Am 2. Juli 2026 ist Pini Libra, Keramikkünstlerin und Musikerin, nach kurzer schwerer Krankheit im Hospiz Düsseldorf verstorben. Für viele kam das überraschend. Umso größer ist die Lücke, die sie hinterlässt. Pini hat viel gesehen, viel erlebt. Berlin, England, Frankreich – und schon sehr lange Düsseldorf. Musik. Gitarre, Gesang – und der „Ton“ im doppelten Sinne, als Künstlerin und als Mensch gehörte einfach zu ihr.

Wer sie kannte, hat sie oft nicht auf der Bühne erlebt, sondern irgendwo dazwischen: beim Nachbarschaftsessen, auf dem Friedensplätzchen, beim Sommerfest der Initiative oder irgendwann zwischen den Jahren vorm ‚Modi‘. Ein kurzer Austausch, ein paar Worte, ein vertrautes Gesicht.

„Wie oft haben wir irgendwo gestanden und uns kurz unterhalten. Du gehörst zum Viertel, zur Nachbarschaft.“

Genau so bleibt sie uns in Erinnerung.