
Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern – das klingt nach Kirchenbank, Eierfärben und ein bisschen Restfrömmigkeit im Supermarktregal. In Wahrheit ist das Fest längst ein seltsamer Mischmasch aus christlicher Heilserzählung, Frühlingsfolklore und knallhartem Konsum.
Nur zur Einordnung – der Gründonnerstag erinnert an das letzte Abendmahl, der Karfreitag an Tod und Trauer, Ostern an Auferstehung und Neubeginn. Und was macht der späte Kapitalismus daraus? Schokofiguren, Osterdeko, Rabattaktionen und eine Armada aus Hasen, die in Wahrheit vor allem eines sind: perfekt verpackte Verkaufsobjekte. Der Osterhase selbst ist dabei eine merkwürdige Erfolgsgeschichte. In der christlichen Bibel taucht er nicht auf, in der volkstümlichen Tradition aber wurde er zum Symbol für Fruchtbarkeit, Frühling und neues Leben. Heute ist er vor allem Markenfigur. Diese Schokohohlkörper, süß glänzenden Figuren, die außen nach viel aussehen und innen ziemlich luftige Verhältnisse bieten. Shrinkflation nennt man das, wenn der Preis bleibt, der Inhalt schrumpft und der Kunde am Ende die teure Luft bezahlt.
Das ist Ostern im kleinen Maßstab: große Geste, wenig Substanz. Foodwatch kritisiert genau diese Art von Täuschung seit Jahren – etwa bei den Milka-Ostereiern, die mit luftiger Verpackung und magerem Inhalt eher Mogelpackung als Genussprodukt sind oder Hersteller, deren Schokolade mit Rückständen aus dem Chemiebaukasten versetzt sind.
Dass ausgerechnet Schokohasen, Sitzhasen, Traditionshasen regelmäßig zum Zankapfel werden, sagt viel über den Zustand der politischen Debatte. Rechtspopulisten und Konserative machen immer wieder ein Theater um die angeblich bedrohte Tradition und behaupten, nicht einmal der Osterhase sei mehr sicher vor „den Zumutungen der Gegenwart“. Dabei geht es um das gute alte Kulturkampf-Geschrei – der heidnische Osterhase wird dann zum Symbol einer vermeintlich belagerten christlichen Mehrheitskultur hochgejazzt, obwohl er vor allem zeigt, wie lächerlich dünn diese Empörung ist. Wer sich über einen Hasen aufregt, der innen aus Luft besteht, hat das Problem eigentlich bereits bei sich selbst gefunden.
Leider passt auch das Osterfeuer immer mehr in diese Logik aus Ursprünglichkeit hin zur Eventisierung. Ursprünglich ein heidnisches Lichtsymbol, ein Brauch gegen die Dunkelheit, gegen den Winter, gegen das Alte. Heute wird es zur romantisierten Kulisse mit Funkenflug und Bratwurstbude – mancherorts ist das Feuer aber immer noch gelebte Gemeinschaft.
Was ich mir wünsche – einfach nur ein ruhiges Ostern. Ein bisschen Kindheit, ein wenig basteln und dekorieren, ein wenig Nester suchen, ein bisschen Feuer und ein bisschen Frühlingsrummel. Am Ende vielleicht genau das Richtige für eine Jahreszeit, die sich nicht entscheiden will, ob sie noch Winter oder schon Hoffnung ist.
