
Am vergangenen Sonntag war ich mit meinen beiden Kindern im Hambacher Wald. Für uns war das kein beliebiger Ausflug, sondern ein Besuch an einem Ort, zu dem wir eine Verbindung haben. Meine Kinder lieben die Natur. Sie wissen, dass der Hambi für viele Menschen mehr ist als nur ein Wald. Und sie verstehen sehr gut, warum Menschen dort leben, um ihn zu schützen.
Beim Spaziergang wurde mir wieder schmerzhaft klar, wie widersprüchlich die Lage ist. Nach außen klingt es immer so, als sei der Hambacher Wald nun „gerettet“. Aber vor Ort fühlt es sich anders an. Der Wald leidet. Er ist ausgetrocknet, gestresst und viel stärker belastet, als man es von außen vielleicht wahrhaben möchte. Das Kleinklima ist zerstört, es ist zu heiß und zu trocken, und das Grundwasser wurde massiv abgesenkt, damit Braunkohle abgebaut werden kann. Die Folgen sind nicht abstrakt. Man sieht sie.
Dass wir dort waren, hatte auch mit Verantwortung zu tun. Rund 60 Menschen kamen am Sonntag in den Wald, um Wasser zu bringen – für die Tiere, für den ausgetrockneten Teich, für das, was vom ehemaligen Barrio Oaktown geblieben ist. Es war berührend zu sehen, wie viele ganz unterschiedliche Menschen sich auf den Weg gemacht haben. Einzelpersonen, Aktivisti, Menschen mit langer Protesterfahrung – und eben auch Familien.
Meine Kinder stellen Fragen, Fragen die ich nicht einfach wegmoderieren kann. Wie kann das sein, dass ein Wald als geschützt gilt und trotzdem weiter leidet? Warum wird ein Ort, der so wichtig für Tiere, Pflanzen und Menschen ist, weiter an den Rand gedrängt? Und was antwortet man Kindern, wenn sie sehen, dass wir Erwachsenen die Welt, in der sie leben werden, nicht wirklich in den Griff bekommen?
Ich ehrlich gesagt: Ich habe keine guten Antworten. Wir versuchen als Familie schon so viel wie möglich CO2-arm und klimaschonend zu leben. Aber ich merke immer wieder, dass das allein nicht reicht. Es braucht große Lösungen, politische Entscheidungen, gesellschaftlichen Willen. Nicht irgendwann. Jetzt.
Trotz der bedrückenden Eindrücke war es schön, unter diesen alten Bäumen zu sein. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen: Sie stehen noch. Sie leben noch. Nicht, weil sie verschont wurden, sondern weil sich viele Menschen über Jahre für sie eingesetzt haben. Das macht Hoffnung. Und es zeigt, dass Engagement etwas bewirken kann.
Für mich war dieser Tag deshalb auch ein sehr persönlicher. Ein Spaziergang im Wald, ja. Aber auch ein Moment des Innehaltens. Ein Moment mit meinen Kindern, die besser als viele Erwachsene spüren, worum es eigentlich geht.
Der Hambi braucht Wasser. Aber er braucht auch uns – unser Dranbleiben, unsere Fragen und endlich Antworten, die mehr sind als ein Versprechen.




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