
„Solange sich Täter sicher fühlen, sind Frauen es nicht.“ Dieser Satz trifft ins Mark. Er beschreibt unsere Gesellschaft. Sicherheit ist ein Privileg und hängt ab vom Chromosomensatz.
Was Schauspielerin Collien Fernandes öffentlich gemacht hat, ist was viele Frauen erleben – Sexismus, Catcalling, digitale Gewalt, Erniedrigung, das Gefühl des Ausgeliefertseins – es macht fassungslos. Was ihr passiert ist ist einfach nur erschütternd und macht sprachlos. Das ist kein Einzelfall. Das ist ein Muster. Und dieses Muster zieht sich durch Jahrzehnte / Jahrhunderte, über Ländergrenzen und soziale Milieus hinweg.
Ob Jeffrey Epstein, Harvey Weinstein, die zahllosen Enthüllungen aus Politik, Medien oder Sport: Sie alle zeigen dieselbe Dynamik. Männer mit Macht. Frauen, die mundtot gemacht werden. Strukturen, die wegsehen – oder sogar mittragen. All diese unzähligen Geschichten sind nicht nur Skandale. Sie sind Symptome eines globalen Systems, das sexuelle Gewalt ermöglicht und verschleiert. Sie zeigen, dass Patriarchat und Machtmissbrauch Verbündete sind – und dass auch digital neue Räume entstehen, in denen Gewalt weiterlebt, nur anonymer, vermeintlich „unsichtbar“. Deepfakes, nicht-einvernehmliche Nacktbilder, Online-Belästigung: Das alles sind Fortsetzungen derselben Logik. Dieselbe Geringschätzung, dieselbe Entmenschlichung. Nur die Bühne hat sich geändert.
Männer, wir müssen endlich wütender werden. Diese Wut darf nicht nur Betroffene tragen. Es braucht uns alle – vor allem uns Männer. Denn solange wir als Männer nicht laut werden, bleibt das System stabil. Solange Männer sich sicher fühlen, bleiben Frauen es nicht. Wut auf die patrichalen Strukturen, die Täter schützen. Wut auf Social Media Plattformen, die Profit über Verantwortung stellen. Wut auf die Justitz, die zu langsam, zu lasch, zu blind ist.
Wir müssen endlich die Social Media Netzwerke, KI Lösungen und Digitalen Plattformen in die Pflicht nehmenn: alle Inhalte, die sexualisierte Gewalt zeigen oder begünstigen, müssen sofort entfernt werden. Strafbarkeit digitaler Gewalt: Deepfakes und nicht-einvernehmliche Nacktbilder müssen konsequent geahndet werden. Es braucht einen Gesellschaftlichen und Politischen Wandel: Wir müssen aufhören, Scham zu individualisieren – sie gehört zu den Tätern, nicht zu den Frauen.
Digitale Gewalt ist reale Gewalt. Sie ist Teil derselben Kultur desselben Mindsets, die Epstein, Weinstein und viele anderen möglich macht. Und solange wir weiter nur empört, aber nicht strukturell handeln, ändert sich nichts. Nicht zu handeln, bedeutet mitzumachen.