
BiBaBuZe in Düsseldorf-Bilk, wurde von der Jury für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert – und dies, wie ich meine, mit Recht. Das politisch geprägte, seit 1977 bestehende Buchhandelskollektiv steht für ein sorgfältig kuratiertes Sortiment und ein klar positioniertes Veranstaltungsprogramm – genau die Art von Engagement, die der Preis eigentlich auszeichnen soll.
Nach der Entscheidung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, drei von der Jury vorgeschlagene Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis auszuschließen und die Verleihung ganz abzusagen, kommt deutliche Kritik. Nicht nur Buchhändlerinnen und Buchhändler sehen darin einen problematischen Eingriff in die Unabhängigkeit der Jury sowie in Kunst- und Meinungsfreiheit. Diesmal hat es drei Läden in Berlin, Bremen und Göttingen, getroffen. Sie wären „nicht preiswürdig“ – und ließ dann über seinen Sprecher ausrichten, er stütze sich auf einen Hinweis des Verfassungsschutzes, der diese Buchhandlungen als „linksextrem“ einstufe. Eine nachvollziehbare Begründung? Fehlanzeige. Namen, konkrete Vorwürfe, überprüfbare Fakten? Bis heute: nichts. Statt Transparenz gab es Schlagworte.
Dass ein Staatsminister in eine Juryentscheidung eingreift, ist ein Dammbruch. Die neue Realität mit einem politischen Filter: Wer zu unbequem, zu deutlich, zu laut, zu links ist – der wird gecancelt. Gerade beim Deutschen Buchhandlungspreis ist das brandgefährlich. Der Preis soll Läden stärken, die mutig sind, die Haltung zeigen, die sich nicht an den schnellen Umsatz verkaufen. Unabhängiger Buchhandel bedeutet eben nicht: neutrale Wohlfühlzone mit Krimi-Regal und Postkartenständer. Unabhängiger Buchhandel war schon immer politisch – mal leiser, mal lauter, aber immer mit einem Verständnis dafür, dass Bücher Debatten anstoßen sollen, nicht nur Kaffeetassendeko sein dürfen. Buchhandlungen wie BiBaBuZe haben sich nicht 1977 als politisches Kollektiv gegründet, um sich 2026 von einem Staatsminister erklären zu lassen, was „preiswürdig“ ist und was nicht. Sie sind angetreten, um Räume zu schaffen, in denen Widerspruch nicht nur erlaubt, sondern erwünscht ist. In denen Menschen, die sich Sorgen machen, wütend sind oder einfach nur neugierig, einen Ort finden, an dem ihre Fragen Platz haben.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass es ausgerechnet der Buchhandel ist, an dem sich diese Auseinandersetzung entzündet. Bücher sind langsam, umständlich, sperrig – genau deshalb sind sie so gefährlich für jede Form von autoritärer Versuchung. Sie bieten keine 15-Sekunden-Antworten, sie verlangen Aufmerksamkeit, Zweifel, Nachdenken.
