
„Wir stehen im Weg“ fühlt sich an wie Asphalt unter den Handflächen. Wie dieses leise Zittern, wenn man sitzt und weiß: Gleich wird es ernst. Gleich kommt die Durchsage. Gleich kommt jemand in Uniform und sagt, man möge doch bitte … Aber wir mögen eben nicht.
„Wir stehen im Weg“ ist ein Lied, das Haltung beschreibt – nicht laut, sondern klar. Der Song beschreibt aus der Innensicht eine Straßenblockade von Menschen, die sich bewusst Nazis in den Weg stellen. Nicht aus Trotz, sondern aus Verantwortung. Dieses Im-Weg-Stehen ist nicht symbolisch. Es ist körperlich.
Der Rechtsruck längst keine Theorie mehr – man kann es immer wieder lesen und auch erleben. Da wird geklatscht bei Parolen, die man vor ein paar Jahren noch für undenkbar hielt. Darum ist es wichtig Haltung zu zeigen. „No pasarán!“ der Ruf zieht sich durch den Song, mehrsprachig, vielstimmig auf Arabisch, Englisch, Türkisch, Hebräisch, Suaheli, Spanisch. Ein Satz, der Grenzen überwindet.
Ziviler Ungehorsam ist keine Gewalt. Wer einmal an einer Sitz- oder Stehblockade teilgenommen hat, kennt dieses Gefühl: Man weiß um die Konsequenzen. Wenn es doof läuft dann geht es um Personalien. Anzeigen. Diskussionen am nächsten Tag. Und trotzdem bleibt man.
„Wir stehen im Weg“ von Luka Blau ist kein Song zum Fühlen. Danke dafür.
(Foto: Das Foto ist im Jahr 2015 am Woringerplatz entstanden)