
Es riecht wieder nach Weihnachten im Viertel. Nicht nach dem perfekten Katalog-Weihnachten, sondern nach unserem ganz eigenen Mix.
Richtig beginnt es für mich immer dann, wenn auf dem Friedensplätzchen der Weihnachtsbaum steht. Kein städtisches Event, keine große Bühne – einfach die Nachbar*innen-Initiative, die sich kümmert.
Es wird geschleppt, gerückt, diskutiert, ob die Lichterkette so oder lieber anders herum gehört… Und irgendwann steht er dann da, der Baum. Schief im Zweifel, aber unserer. Dieser Baum wird mit Lichtern, Sternen, Kleinigkeiten (die man nicht im Baumarkt bekommt) festlich geschmückt – dickes Danke an die Kinder bei uns im Viertel für die Bastelfreude.
Besonderheit: Auch das kleine Telefonhäuschen ist diesmal dekoriert 🙂
Und natürlich: Zu Nikolaus kommt wieder ein besonderer Gast auf dem Plätzchen vorbei. Manche wissen längst, wer. Andere tun so, als wüssten sie es nicht.
Wenn es nach mir ginge, stünde da längst auf dem Friedensplätzchen ein lebender Weihnachtsbaum, fest verwurzelt als Ersatzpflanzung, Jahr für Jahr wachsend mit dem Viertel. Aber die Bezirksvertretung 3 sieht das anders – warum auch immer. Manchmal ist es wohl leichter, jedes Jahr neu zu fällen, als einmal nachhaltig zu denken. Aber gut, die Diskussion heben wir uns für nach den Feiertagen auf.

Ein paar Straßen weiter wird ein anderes Ritual wieder lebendig:
An einer Wand im Viertel hängt irgendwann wieder das Glockenspiel, und Santa’s Marching Band nimmt ihren Platz ein. Diese Mischung aus leicht angestaubter Nostalgie und echter Vorfreude ist schwer zu erklären, bringt Kinderaugen zum Leuchten. Man läuft daran vorbei, hört das Klimpern, bleibt einen Moment stehen – und merkt, dass es im Bauch plötzlich ein bisschen nach Kindheit klingt.
Vor den Bilk Arkaden dreht sich das Karussell. Für manche ist das Kirmes, für andere Tradition. Kinderaugen, die aufleuchten, sobald das Licht angeht und die Musik loslegt. Einmal Feuerwehr, einmal Pferd, einmal Motorrad – und zum Schluss doch wieder dasselbe Gefährt wie im letzten Jahr.
Die Lorettostraße wird geschmückt, als hätte jemand versucht, den Begriff „Viertelgefühl“ in Lichterketten zu übersetzen. Hier ein Stern, dort ein Tannenzweige, dazwischen Schaufenster mit mehr oder weniger subtilen Geschenkideen. Man kann das als Konsumkulisse lesen. Oder als das, was es für viele ist: ein Stück vertrauter Umgebung im Dezember, das sagt: Du bist hier richtig.
In den Parks hängt der Advent inzwischen auch in den Bäumen. Nicht nur in Form von Lichtern, sondern als Futterringe für die Vögel. Kleine Kreise aus Körnern, Fett und guter Absicht. Während wir uns über Plätzchenrezepte austauschen, suchen Meisen, Spatzen und Amseln nach dem nächsten Happen, um durch die kalten Tage zu kommen. Auch das ist Weihnachten im Viertel: nicht nur an sich selbst denken.
Und dann ist da noch etwas, das ich besonders mag: der
Lebendige Adventskalender 2025 – „Stern über Düsseldorf“.
Evangelische und katholische Gemeinden vor Ort laden ein, jeden Abend ein anderes „Türchen“ zu öffnen – vom 1. bis zum 23. Dezember, immer um 18 Uhr (nur am 17.12. um 19 Uhr). Kein Schokokalender, sondern ein echter mit Menschen, Orten und Geschichten.
An 24 Orten im Viertel – Kirchen, Schulen, Altenzentren, Buchhandlungen, Landtag, Feuerwehr – entsteht für einen Moment etwas, das man nicht streamen kann: gemeinsame Zeit. Ein Lied, ein Text, ein warmes Getränk in der Hand, ein Stern im Fenster, ein Gespräch vor der Tür.
Am 24. Dezember sind dann die Gottesdienste zu Heiligabend der „24. Ort“. Nicht laut, nicht spektakulär, aber genau richtig für alle, die zwischen Stress, Jahresende und Müdigkeit noch einen Platz suchen, um kurz runterzukommen. Den gedruckten Kalender gibt es in den Gemeinden und in einigen Läden im Viertel. Und wer leer ausgeht, findet alle Termine und Orte online:
www.lebendiger-adventskalender-bilk.de
Vielleicht ist das das eigentliche Weihnachtsgefühl hier:
Nicht die eine große Veranstaltung, sondern viele kleine Momente. Zwischen all den Lichtern, Terminen und To-do-Listen bleibt die Hoffnung, dass wir dieses „Wir“ im Viertel nicht verlieren.
