Musik verdient Respekt – und Künstlerinnen auch. Spotify den Stecker ziehen.

Ich mag Musik, wenn sie laut ist. Am liebsten live, irgendwo an der Bühne, Basswellen und verschwitztem Menschengedränge. Aber auch aus der Konserve – morgens in der Küche, abends im Garten, zwischendurch im Zug.

Nur eines möchte ich nicht: Künstler*innen ausbeuten, während ich ihre Songs höre. Kunst ist Arbeit. Arbeit verdient Respekt. Und Respekt heißt auch: faire Bezahlung.

Streaming ist bequem, klar. Aber einige Zahlen sind bitter. Ein paar tausend Streams, ein paar Euro. Millionen Streams, und trotzdem reicht es für viele nicht zum Leben. Wir hören Musik jeden Tag, wir leben mit ihr, sie trägt uns durch Wochen, Jahreszeiten, Lebensphasen – aber bei den Plattformen kommt davon kaum etwas bei den Menschen an, die sie erschaffen.

Manchmal dauern Entscheidungen länger als gedacht. Musikstreaming war für mich jahrelang eine Selbstverständlichkeit: App öffnen, Playlist starten, weiter geht’s. Natürlich war Spotify der bequemste Weg. Alles da, alles eingespielt. Aber irgendwann kam der Moment, an dem ich mich gefragt habe: Was kostet das eigentlich – und wer zahlt am Ende drauf?

Ein Premium-Account kostet inzwischen rund 13 Euro im Monat. Das ist nicht gerade wenig. Und wenn man sich anschaut, wie Spotify dieses Geld verteilt, wird es erst recht unangenehm. Spotify zahlt im Durchschnitt 0,00286 Euro pro Stream – keine 0,3 Cent. Die Rechnung ist so brutal wie simpel:
333 gehörte Streams = 1 Euro oder 1 Million gehörte Streams = 2.862 Euro.

Für viele unabhängige Musiker*innen bedeutet das: Streaming ist kein Einkommen, sondern quasi Werbung. Die meisten werden niemals die Millionenmarke erreichen. Die Daten dazu findet man hier:
https://streamingeinnahmen.de

Und dann sind da noch die Punkte, die das Unternehmen Spotify in den letzten Jahren politisch und moralisch schwer erträglich gemacht haben. Allen voran CEO Daniel Ek, der mit seinem Investment in die KI-Rüstungsfirma Helsing Schlagzeilen gemacht hat. Eine Firma, die KI zur militärischen Zielerkennung entwickelt. Parallel dazu experimentiert Spotify massiv mit AI-Cover-Songs, AI-Playlists und Billig-Audiocontent, der echte Künstlerinnen verdrängt.
Und viele kleinere Künstler
innen verdienen inzwischen gar nichts mehr, weil Spotify Ausschüttungen unterhalb bestimmter Schwellen komplett streicht.

Da war irgendwann der Punkt erreicht, an dem ich dachte:
Nein. Nicht so. Nicht weiter.

Darum der Wechsel zu Deezer. Auch nicht perfekt – kein System ist das. Aber:
Höhere Auszahlungen an Künstler*innen. Ein transparenteres Modell.
Weniger KI-Müll, mehr echte Musik.

Und: Der Wechsel ist überraschend einfach.
Ich dachte erst, das wird ein Projekt – Export hier, Import da, Chaos überall.
Aber der Umzug von Spotify zu Deezer fühlt sich eher an wie eine kurze Kaffeepause. Deezer bietet ein eigenes Transfer-Tool an: Einloggen, verbinden, Playlists auswählen, fertig. Bei meinen knapp 2700 Songs wurden gerade mal vier nicht gefunden. Vielleicht ist genau jetzt der Moment, sich zu fragen, welche Dienste wir unterstützen wollen.

Musik darf laut sein. Aber sie sollte nicht auf Kosten der Menschen entstehen, die sie erschaffen.

Autor: micha_koester

Ich bin Blogger, Kleingärtner und gerne auch politisch-bewegt.

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