Etwas Essen vorbeibringen….

Der Hambacher Wald ist in Sichtweite. Man sieht ihn nicht immer sofort, aber man spürt ihn. Und man spürt auch, dass hier gerade wieder etwas kippt. Es wird wohl bald geräumt werden.

Bin mal wieder losgefahren mit Essensspenden für ein Picknick im Wald. Schön wär’s – es ist eher EvictionFood. Nichts Spektakuläres: Nudeln, Nüsse, Obst, Schokolade, IBU. Dinge, die man braucht, wenn Tage lang werden, Nächte kalt sind und Körper wie Nerven beansprucht werden.

Nach dem Parken im Ort ging es zuerst zur Mahnwache. Lagebesprechung. Was hat sich verändert? Wo stehen neue Fahrzeuge? Welche Wege sind noch offen, welche schon wieder verbaut? Im Rheinland ist nichts statisch. Schon gar nicht dort, wo RWE gräbt.

Mit dem Shuttle ging es weiter Richtung BUND-Mahnwache. Danke an den Hambi-Support – ohne diese stillen, gut organisierten Fahrten wäre vieles schwerer. Dort habe ich die ersten Spenden abgegeben, bin kurz geblieben, habe zugehört. Dann vegane Pfannkuchen. Warm, süß, genau richtig. Essen hat diese besondere Eigenschaft: Es bringt Menschen zusammen, ohne große Worte. Man teilt, nickt sich zu, macht weiter.

Danach Abstimmung. Welcher Weg in den Sündi ist heute der beste? Feldwege, alte Autobahntrasse, ein kleiner Umweg wegen neuer Gräben. Das ändert sich ständig. RWE baut um, verbarrikadiert, zieht Linien durch Landschaft, als wäre sie eine technische Zeichnung. Wir passen uns an. Gehen anders. Finden Wege.

Ein kurzer Stopp im Sündewäldchen selbst. Ein paar Minuten Ruhe. Bäume, die noch stehen. Boden, der noch lebt. Man merkt sofort, warum dieser Ort verteidigt wird. Nicht symbolisch. Ganz konkret. Weil er da ist. Weil er funktioniert. Weil er Teil eines größeren Ganzen ist.

Zurück zur Mahnwache. Mittagskaffee. Gespräche. Lachen. Planen. Essen ausliefern ist eine erstaunlich befriedigende Tätigkeit. Vielleicht, weil es so klar ist. Essen ist ein Grundbedürfnis. Und nach meinem Verständnis auch ein Menschenrecht. Eines, das man nicht relativieren sollte.

Am Ende der Wanderung „durch Wald und Flur“ sind Rucksack und Tasche leer. Und das fühlt sich gut an. Nicht, weil damit alles getan wäre. Sondern weil es ein kleiner, konkreter Beitrag ist. In einer Situation, die oft zu groß wirkt, um sie zu fassen.

Der Sündi ist noch da. Und solange Menschen Essen bringen, Wege finden damit andere bleiben können, besteht noch Hoffnung.

Autor: micha_koester

Ich bin Blogger, Kleingärtner und gerne auch politisch-bewegt.

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